Die Problemlage

Anatomie eines Systemversagens


Hinter verschlossenen Türen von Familiengerichten und Jugendämtern findet zu oft eine Form der Gewalt statt, die in der breiten öffentlichen Wahrnehmung trotz etlicher Initiativen, Studien und Publikationen unsichtbar bleibt: institutionelle, strukturelle und indirekte Gewalt. Das Problem ist kein Mangel an Gesetzen, sondern ein tief verwurzeltes, systemisches Versagen bei deren Anwendung.

Das Kernproblem: Die Neutralisierung von Gewalt

Das fundamentalste Problem in Kindschafts- und Pflegschaftsverfahren ist die systematische Umdeutung von Gewaltverhältnissen in harmlose „Paarkonflikte“. Anstatt Schutzbedürftige gemäß der Istanbul-Konvention (insbes. Art. 31) zu bewahren, greift ein Mechanismus der Täter-Opfer-Umkehr. Echte Gewalterfahrungen und berechtigte Schutzinstinkte von Müttern werden durch pseudowissenschaftliche Konzepte wie die „Eltern-Kind-Entfremdung“ (PAS) oder Vorwürfe mangelnder „Bindungstoleranz“ neutralisiert. Das Ergebnis ist ein System-Gaslighting: Betroffenen wird ihre Wahrnehmung abgesprochen, während sie gleichzeitig gezwungen werden, mit ihren Gefährdern zu kooperieren – oft unter Androhung des Sorgerechtsentzugs.

Strukturelle Gewalt durch Akteur:innen-Netzwerke

Dieses Versagen ist kein Produkt einzelner Fehlentscheidungen, sondern das Resultat einer unheilvollen Dynamik zwischen verschiedenen Akteur:innen. Wenn Richter:innen, Gutachter:innen, Jugendämter und Verfahrensbeistände Hand in Hand arbeiten, ohne bspw. Traumadynamiken oder Machtasymmetrien zu berücksichtigen, entsteht eine geschlossene Front des Unrechts.

Dabei werden u. a. prozessuale Rechte wie das Parteiengehör systematisch verletzt oder durch strategischen Zeitdruck (z. B. kurzfristige Beschlüsse) faktisch ausgehebelt.

Ökonomische Zerstörung als Strategie

Zusätzlich zur psychischen Belastung wird das Rechtssystem oft für ökonomische Gewalt missbraucht. Finanzstarke Väter können Mütter durch eine Flut an mutwilligen Anträgen, Beschwerden und kostenintensiven Gutachten finanziell in den Ruin treiben und ihre Erwerbsfähigkeit durch die permanente Verfahrenslast zerstören.

Das Kind als Instrument, nicht als Subjekt

Am schwersten wiegt die Verletzung der Kinderrechte. Kinder werden in diesen Verfahren oft nicht als eigenständige Rechtssubjekte behandelt. Ihr artikulierter Wille wird als „manipuliert“ abgetan, und ihre psychische Unversehrtheit wird einem abstrakten „Umgangsrecht“ untergeordnet.

Es ist an der Zeit, diesen Zustand beim Namen zu nennen: Es handelt sich um ein strukturelles Schutzversagen des Staates, das Menschenrechte verletzt und Gewaltverhältnisse zementiert, statt sie zu beenden.


Du bist nicht das Problem. Das System ist es.

In zu vielen Gerichtssälen der Familiengerichtsbarkeit hat sich mittlerweile ein rechtsstaatliches Vakuum etabliert, in dem das geschriebene Gesetz zunehmend hinter die Willkür einer unkontrollierten Expert:innenmacht zurücktritt. Was offiziell als „Kindeswohl“ deklariert wird, entpuppt sich in der Praxis oft als eine Architektur der institutionellen Gewalt, die Mütter und Kinder systematisch ihrer Schutzrechte beraubt. Wir beobachten hier kein zufälliges Chaos, sondern ein Versagen mit Methode.

Es beginnt mit der faktischen Kapitulation der Justiz vor der eigenen Verantwortung: Richter:innen delegieren ihre Entscheidungsmacht an Sachverständige und Verfahrensbeistände, deren methodisches Vorgehen im Verborgenen bleibt. Diese Akteur:innen agieren in einer „Black Box“ der Intransparenz. Während jede medizinische Diagnose und jede handwerkliche Dienstleistung einer Qualitätskontrolle unterliegt, bleibt die Expertise im Pflegschaftsverfahren eine unantastbare Instanz. Betroffene werden verpflichtet, ihre Kinder fremden Personen anzuvertrauen, deren Qualifikationsnachweise oft nicht einsehbar sind und deren psychologische Konzepte häufig auf veralteten, pseudowissenschaftlichen Theorien basieren.

Frauen und Kinder erleben in diesem System eine beispiellose Entwertung ihrer Realität. Hinweise auf häusliche oder sexualisierte Gewalt werden unter Missachtung der Istanbul-Konvention (Art. 31) systematisch marginalisiert oder als „strategisches Vorbringen“ im Paarkonflikt abgetan. Anstatt Schutz zu gewähren, greift eine perfide Täter-Opfer-Umkehr: Das berechtigte Schutzverhalten der Mutter wird als „Bindungsintoleranz“ pathologisiert, während Kinder durch Nötigung und psychischen Druck in Interaktionen mit gefährdenden Elternteilen gezwungen werden. Die Subjektstellung des Kindes erodiert dabei vollständig; sein Wille wird nicht gehört, sondern durch Akteur:innen, die oft keine traumapädagogische Basis besitzen, als „indoktriniert“ umgedeutet oder im Protokoll schlichtweg unterschlagen.

Doch warum wird dieses Unrecht zementiert? Die Antwort liegt in der fehlenden Transparenz. Wo keine Transparenz herrscht, muss niemand für Fehlleistungen haften. Es hat sich eine Ökonomie des Konflikts entwickelt, in der private Träger, Gutachter:innen und Ergänzungspfleger:innen finanziell davon profitieren, Verfahren künstlich in die Länge zu ziehen und die „Hochstrittigkeit“ zu verwalten, statt sie zu lösen. Das System profitiert von der Isolation und Erschöpfung der Mütter. Es setzt darauf, dass Einzelschicksale im Verborgenen bleiben und niemals zu einer statistischen Gefahr werden.

die furien benennen diesen Zustand als das, was er ist: Institutionelle Gewalt durch Unterlassung von Kontrolle. Es ist die bewusste Aufrechterhaltung eines Raumes, in dem berufliche Immunität als Schutzschild für methodisches Versagen dient. Solange Akteur:innen wissen, dass ihre Entscheidungen niemals einer externen Evaluation unterzogen werden, bleibt das Gericht ein Ort der Willkür. Wir brechen dieses Schweigen, indem wir die methodischen Fehlleistungen dokumentieren und den Scheinwerfer dorthin richten, wo das System seine Schwächsten im Stich lässt.

Hier ist ein abschließender, differenzierter Absatz für die Seite „Die Problemlage“, der die Brücke zwischen der statistischen Hoffnung und der dokumentierten Realität schlägt:

Einzelfall oder Systematik? Eine notwendige Einordnung

Natürlich und glücklicherweise ist nicht jedes Verfahren von diesen und vergleichbaren Missständen geprägt; es gibt zweifellos Akteur:innen im System, die mit hoher fachlicher Expertise, Empathie und strikter Orientierung u. a. am Gewaltschutz agieren. Die Hoffnung besteht, dass die genannten Probleme nicht das gesamte Justizsystem repräsentieren.

Dennoch zeichnen zahlreiche aktuelle Studien*, internationale Berichte und sozialwissenschaftliche Publikationen ein besorgniserregendes, anderes Bild: Sie belegen, dass die Muster institutioneller Gewalt keine isolierten Phänomene sind, sondern auf strukturelle Defizite hinweisen. Wenn wissenschaftliche Analysen und die wachsende Zahl an Betroffenenberichten, die sich u. a. in sozialen Netzwerken in Massen finden, deckungsgleich von denselben systemischen Fallen berichten, kann nicht länger von bloßen Zufällen gesprochen werden. Die Dokumentationsarbeit der furien setzt genau hier an: Wir sammeln „Einzelfälle“, um die statistische Beweislast zu erbringen, dass der Schutz von Frauen und Kindern eine grundlegende Reform der institutionellen Praxis erfordert.

*Die aktuellste ist: Hammer, Wolfgang (2024): Macht und Kontrolle in familienrechtlichen Verfahren in Deutschland. Eine Analyse medialer Falldokumentationen. Online: https://www.familienrecht-in-deutschland.de/wp-content/uploads/2025/01/Macht-und-Kontrolle-im-Familiengericht-Analyse-medialer-Falldokumentationen.pdf [zul. abger. 20.12.2025]

Der Ausbruch aus der Ohnmacht: Die Pflicht zur Sichtbarkeit

Genau hier setzt die Aufgabe der furien an. Wenn Wissen allein nicht (mehr) ausreicht, um Veränderung herbeizuführen, muss die Wahrheit so laut und so präsent werden, dass sie nicht mehr ignoriert werden kann. Die Furien der Antike wussten: Unrecht gedeiht nur dort, wo es verschwiegen wird. Institutionelle Gewalt ist darauf angewiesen, dass Frauen sich schämen, dass sie Angst vor den Konsequenzen haben und dass sie glauben, allein zu sein. Doch Hammers Studie zeigt: Jede Betroffene ist ein weiterer Beweis für das gut dokumentierte, unleugbare strukturelle Versagen.

Deine Erfahrung ist ein weiteres Zeugnis des Systemversagens

Jeder Bericht über eine erzwungene Inobhutnahme, jedes Dokument über ein ignoriertes Gewaltprotokoll und jede Schilderung von Zwangskontrolle durch das Gericht ist ein Hammerschlag gegen die Mauer der Ignoranz.

  • Wahrheit als Waffe: Indem die furien jedes Detail der institutionellen Gewalt aufzeigen, entziehen wir den Verantwortlichen die Möglichkeit, sich auf Unwissenheit zu berufen.
  • Vom Einzelfall zum Systembruch: Wenn die furien die Erfahrungen zusammenführen, wird aus dem Flüstern ein Donnern. Wir zeigen, dass es ein Muster gibt – ein Muster der Unterdrückung, das systematisch Frauen-, Mütter- und Kinderrechte opfert.
  • Gerechtigkeit durch Unnachgiebigkeit: Die Eumeniden entstanden erst, als der Druck der Wahrheit so groß wurde, dass das Recht sich beugen musste. die furien tragen mit deiner Hilfe die Wahrheit so lange hinaus in die Welt, bis das System unter der Last der Beweise einknicken muss.