Meldeformular

Das Herzstück unserer Initiative – dein Beitrag zur Systemanalyse

Einleitung & Sicherheitshinweis

die furien arbeiten als Dokumentationsstelle. Sofern du dazu bereit bist, deine Erfahrungen mit institutioneller, struktureller und/oder indirekter Gewalt zu teilen, fülle unser vorbereitetes Meldeformular aus. Das Formular ist so konzipiert, dass es die für eine wissenschaftliche und rechtliche Auswertung notwendigen Daten präzise abfragt, während es gleichzeitig die Betroffenen schützt. Daten werden nicht gesammelt, um jemanden an den Pranger zu stellen, sondern um Muster zu belegen.

Rechtliche Grundlage: Dokumentation und Schattenberichterstattung

Die Erfassung von Akteur:innennamen zur Identifikation systemischer Netzwerke sowie die Erstellung von Schattenberichten stützen sich auf völkerrechtliche und datenschutzrechtliche Standards. Gemäß Art. 11 der Istanbul-Konvention sind die Vertragsparteien verpflichtet, statistische Daten über Gewaltverhältnisse zu sammeln; die zivilgesellschaftliche Dokumentation und Übermittlung der Parallel- bzw. Schattenberichte (z. B. an die Expert:innengruppe des Europarates für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (GREVIO)) ist ein wesentlicher Bestandteil dieses Überprüfungsprozesses. Die interne Erhebung der Namen von Fachkräften dient ausschließlich der Identifikation struktureller Häufungen und der Qualitätssicherung, was ein berechtigtes Interesse an der Aufklärung institutioneller Missstände darstellt. Da die Veröffentlichung der Berichte ausschließlich in vollständig anonymisierter Form erfolgt und Namen von Akteur:innen niemals öffentlich exponiert werden, bleibt der Schutz personenbezogener Daten gewahrt, während gleichzeitig die Dokumentationspflicht erfüllt wird.

Warum jedes Detail zählt, wir aber auch verstehen, wenn du etwas nicht teilen möchtest

Oft sind es die „Kleinigkeiten“, die das Bild der Coercive Control oder des institutionellen Gaslightings erst vervollständigen. Ein bestimmter Satz des:der Richter:in, eines Gutachters, einer Gutachterin, eine systematische Verzögerung durch das Jugendamt oder die Gegenpartei oder die Ignoranz gegenüber einem ärztlichen Attest – was dir vielleicht unbedeutend erscheint, kann in der Summe vieler Meldungen den entscheidenden Beweis für ein strukturelles Versagen liefern.

Solltest du bestimmte Details wie z. B. das zuständige Gericht, das Aktenzeichen oder einzelne Akteur:innen nicht nennen wollen, ist dies aber vollkommen in Ordnung; bitte fülle nur die Felder aus, deren Beantwortung dir wichtig erscheint und bei denen du dich sicher fühlst. Selbst wenn dies dazu führt, dass uns unzusammenhängende Berichte erreichen, so dokumentieren diese doch eines ganz deutlich: dass die Angst vor Repressalien oft schwerer wiegt als das Vertrauen in das System. Wir werden auch diese fragmentarischen Meldungen nutzen, um statistisch aufzuzeigen, wie viele Frauen uns ihre Erfahrungen geschickt haben und welche spezifischen Formen institutioneller Gewalt sie im deutschsprachigen Raum erleben. Jede Stimme zählt, um das Ausmaß des strukturellen Schutzversagens sichtbar zu machen.

Deine Erfahrung und deine Stimme sind der Beweis. Wir hören dir genau zu.


Transparenz statt Immunität – Die Evaluation familiengerichtlicher Akteur:innen

In der freien Wirtschaft und im öffentlichen Dienst ist die Rechenschaftspflicht ein Grundpfeiler professionellen Handelns – öffentlich einsehbare Bewertungen wie Rezensionen u. Ä. sind aus dem gesellschaftlichen Miteinander nicht mehr wegzudenken. Im Bereich der Pflegschaftssachen beobachten wir jedoch eine besorgniserregende Erosion dieses Prinzips. Akteur:innen wie Verfahrensbeistände, gerichtliche Sachverständige und Fachkräfte der Jugendhilfe agieren in einem Raum, der faktisch frei von externer Qualitätskontrolle und öffentlicher Bewertung ist.

Das Defizit der Transparenz

Betroffene werden durch gerichtliche Zuweisungen verpflichtet, mit Akteur:innen zu kooperieren, deren fachliche Eignung, spezifische Ausbildung und methodische Herangehensweise oft nicht transparent dargelegt werden. Es besteht beispielsweise betreffend Verfahrens-/Kinderbeistände ein extremes Informationsgefälle:

  • Mangelnde Qualifikationsnachweise: Auf welcher fachlichen Basis beruht die Bestellung spezifischer Beistände oder Gutachter?
  • Methodische Fehlleistungen: Warum finden Berichte von Kindern über psychischen Druck, Manipulation oder die Missachtung ihres Willens keinen Eingang in die Verfahrensakten?
  • Fehlende Evaluierung: Warum gibt es keine Instanz, die das Agieren dieser Berufsgruppen auf systemische Fehlerquellen hin untersucht?

Der Fokus der Dokumentationsstelle

die furien verstehen sich als Instrument der zivilgesellschaftlichen Kontrolle. Wir beleuchten u. a. Berufsbilder, die aufgrund ihrer weitreichenden Eingriffsbefugnisse z. B. in das Elternrecht (Art. 6 GG) und die Persönlichkeitsrechte des Kindes einer besonderen Überprüfung unterliegen müssten.

Wir dokumentieren systematisch:

  1. Die Einhaltung oder Nichteinhaltung fachlicher Standards bei der Exploration und Begutachtung.
  2. Die Wahrung der Subjektstellung des Kindes durch Verfahrensbeistände.
  3. Die fachliche und ethische Angemessenheit der Interventionen durch Gutachter:innen, Jugendhilfe/ -amt und private Träger.

Berufliche Immunität darf kein Schutzschild für methodisches Versagen sein

Wir werfen den Scheinwerfer auf die Akteur:innen des Systems, um jene Transparenz herzustellen, die für einen fairen Rechtsstaat und den Schutz der Schwächsten unabdingbar ist. Unser Ansatz basiert auf der quantitativen und qualitativen Auswertung von Verfahrensabläufen. Dabei stützen wir uns nicht auf subjektive Meinungen, sondern auf den Abgleich der Realität mit geltenden völkerrechtlichen und nationalen Rechtsnormen.

Inwiefern nutzt das den Betroffenen?

Wissen Richter:innen oder Gutachter:innen, dass ihre Namen in einer Datenbank landen, die systemisches Versagen dokumentiert, wechselt die Machtdynamik. Die „Scham wechselt die Seite“ (Gisèle Pelicot), weil das Handeln plötzlich nicht mehr im Geheimen stattfindet, sondern Teil einer größeren Statistik wird.

Ablauf – So bereitest du deine Meldung vor

Damit wir systemische Fehler präzise erfassen können, solltest du folgende Informationen/Unterlagen griffbereit haben (du musst sie nicht übermitteln, aber die Daten daraus kennen):

  1. Chronologie der Institutionen: Welches Gericht, welches Jugendamt und welche (privaten) Träger (Besuchsbegleitung etc.) waren involviert?
  2. Die Akteur:innen: Vor- und Nachnamen der Richter:innen, Gutachter:innen und Verfahrensbeistände u. Ä.
  3. Spezifische Schlagworte: Wurden in Gutachten oder Urteilen Begriffe wie „PAS“, „Bindungsintoleranz“ oder „mangelnde Bindungstoleranz“ verwendet?
  4. Rechtsverletzungen: Hast du schriftliche Belege (E-Mails, Protokolle), dass Beweisanträge abgelehnt wurden oder Art. 31 der Istanbul-Konvention als „nicht relevant“ abgetan wurde?
  5. Kindeswille: Gibt es Dokumente oder Protokolle, aus denen hervorgeht, dass der Wille deines Kindes ignoriert oder durch Druck (z. B. vom Beistand) verändert wurde?

Deine Sicherheit hat Priorität: So übermittelst du deine Daten

Das Ausfüllen des Formulars ist ein Akt des Widerstands, erfordert aber auch höchste digitale Vorsicht. Da herkömmliche Web-Formulare oft über unsichere Server laufen und Spuren in Browser-Caches hinterlassen können, haben wir uns bewusst gegen ein direktes Online-Formular entschieden. Wir möchten nicht, dass deine Daten auch nur eine Sekunde ungefiltert im Netz liegen oder zum Datenmaterial für unbeteiligte Unternehmen werden.

Wir empfehlen, das Formular nicht über das WLAN deines Arbeitgebers oder auf einem Gerät auszufüllen, zu dem dein (Ex-)Partner Zugriff hat. Nutze idealerweise ein privates Gerät und einen sicheren Browser.

Lade dir das PDF (oder alternativ das Word-Doc.) herunter und fülle es in Ruhe offline auf deinem Gerät aus oder drucke es aus, fülle es aus und sende es uns abfotografiert/eingescannt/per Post.

Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Deine Angaben fließen direkt in unsere Datenbank ein und helfen uns, Muster betreffend beteiligte Akteur:innen (Richter:innen, Gutachter:innen etc.) zu erkennen.

Sichere Wege deiner Meldung zu uns

Um das Risiko unsicherer Server und Mitleser:innen zu umgehen, nutze bitte einen der folgenden Wege für die Übermittlung.

Nutze Dienste, die Dateien verschlüsseln und nach dem Download sofort löschen. Dies ist oft sicherer als ein Standard-E-Mail-Anhang. Du kannst selbstverständlich Dienste nutzen, denen du vertraust, wir empfehlen:

  1. SwissTransfer: kostenlos, Server in der Schweiz, keine Registrierung nötig
  2. Wormhole.app: extrem schnell, Ende-zu-Ende-verschlüsselt
  3. Verschlüsselte E-Mail: Sende uns deine Meldung von einem Provider, der Datenschutz ernst nimmt. Wir empfehlen die Eröffnung eines kostenlosen Kontos bei Proton Mail oder Tuta.
  4. Der klassische Postweg: Möchtest du digitale Spuren verständlicherweise komplett vermeiden möchtest, kannst du uns den ausgedruckten Bogen auch per Post zusenden. Das ist ein Weg, um jegliche digitale Überwachung (z. B. durch Keylogger oder Cloud-Backups) zu umgehen. Beachte aber: Ist ein ohne Absender:in versehener Brief unzustellbar, geht er in die Briefermittlung, wird dort geöffnet, um Absender:innen zu eruieren, und vernichtet, wenn er nicht zurückgeschickt werden kann. Der Inhalt sollte daher ganz besonders anonym sein, um keine Rückschlüsse auf deinen Fall und deine Person zuzulassen. Die Anschrift findest du direkt im Formular.

Warum dieser Aufwand?

die furien dokumentieren hochsensible Missstände. Akteur:innen, die wir beleuchten, verfügen oft über Macht, Netzwerke und Ressourcen. Deine Anonymität und Sicherheit vor digitalem Zugriff durch den Täter oder das System stehen für uns an erster Stelle.

Wähle den Weg, der sich für dich am sichersten anfühlt.


Deine Geschichte lässt sich nicht in Kästchen zwängen?

Wir haben dieses Formular entwickelt, um systemische Muster statistisch erfassbar zu machen. Doch wir wissen: Jeder Fall von institutioneller Gewalt hat eine individuelle Tiefe, die über standardisierte Abfragen hinausgeht. Wenn du das Gefühl hast, dass die genannten Kategorien deinen Fall nur unzureichend abbilden, oder wenn es spezifische Details gibt, die für das Verständnis der Gewaltspirale entscheidend sind, dann lass diese Informationen nicht weg.

So kannst du das Formular ergänzen:

  • Das Freitextfeld nutzen: Am Ende des Formulars findest du ein Feld für individuelle Anmerkungen. Hier ist Platz für alles, was in keine Schublade passt – von spezifischen Drohungen des Täters bis hin zu bizarren Verhaltensweisen von Verfahrensbeteiligten – für einen umfangreichen Bericht bitten wir dich, das Word-Dokument zu nutzen und uns zu senden.
  • Bericht per E-Mail: Wenn es dir leichter fällt, deine Geschichte zusammenhängend niederzuschreiben, oder wenn du bereits ein fertiges Gedächtnisprotokoll/Dossier hast, kannst du uns dieses direkt per E-Mail senden.
  • Anhänge und Belege: Relevante Dokumente, die das systemische Versagen belegen (anonymisierte Gutachtenauszüge, Protokolle, Schriftverkehr), sind für unsere Analyse von unschätzbarem Wert, aber selbstverständlich kein Muss.

Sende etwaige Unterlagen bitte auf dem selben Weg, auf dem du uns deine Falldokumentation übermittelst.

Rechtlicher Hinweis zur Datenübermittlung per E-Mail

Um deine Sicherheit und die Integrität deiner Daten zu gewährleisten, lies bitte die folgenden Hinweise, bevor du uns Unterlagen sendest:

1. Vertraulichkeit & Datenschutz Alle uns übermittelten Informationen werden streng vertraulich behandelt und ausschließlich für unsere anonymisierte Datenauswertung und die Erstellung von Schattenberichten verwendet. Wir geben keine personenbezogenen Daten an Dritte weiter, es sei denn, es liegt eine explizite schriftliche Einwilligung oder Bitte von dir vor.

2. Anonymisierung von Dokumenten Wir bitten dich dringend, uns zugesandte Dokumente (Gutachten, Beschlüsse, Protokolle) vorab zu anonymisieren. Schwärze bitte:

  • Die Namen und Geburtsdaten deiner Kinder.
  • Deinen eigenen Nachnamen und deine genaue Anschrift.
  • teilweise: Aktenzeichen des Gerichts
  • Die Namen der Kinderärzt:innen oder Therapeut:innen (sofern nicht relevant für das Versagen von Akteur:innen).
  • Wichtig: Die Namen der beteiligten Fachkräfte (Gutachter:innen, Beistände, Richter:innen etc.) müssen für unsere Datenbank und Dokumentation erkennbar bleiben.

3. Digitale Sicherheit Die Übertragung von E-Mails im Internet kann Sicherheitslücken aufweisen. Wenn du hochsensible Daten sendest, orientiere dich bitte an den genannten Empfehlungen zur sicheren Übermittlung.

4. Haftungsausschluss Die Übermittlung deiner Daten an die furien stellt kein Mandatsverhältnis dar. Wir bieten keine individuelle Rechtsberatung an. Die Zusendung von Unterlagen dient ausschließlich der Dokumentation von Systemfehlern für die politische und völkerrechtliche Aufarbeitung.

Da die furien eine junge Initiative im Aufbau sind, verstehen wir unsere Dokumentationsarbeit als einen dynamischen Prozess und sind auf deine wertvolle Mitwirkung angewiesen. Wir laden dich daher herzlich ein, uns Rückmeldungen zu geben: Welche Aspekte fehlen im Meldeformular oder welche Details sollten für eine lückenlose Erfassung institutioneller Gewalt noch explizit abgefragt werden? Da wir unser Melde-Instrument laufend optimieren, hilft uns jeder konstruktive Vorschlag dabei, die strukturellen Mängel in Familiengerichts- und Pflegschaftsverfahren noch präziser sichtbar zu machen.